Kraftklub – „Sterben in Kalt-Marx-Stadt“-Tourauftakt in Schwerin
Schwerin ist und bleibt immer eine Reise wert – klar, als gebürtiger Mecklenburger habe ich eine gewisse Verbundenheit mit der provinziellen Atmosphäre.
Und ganz so scheiße, grau und voller Nazis wie um die Jahrtausendwende ist es da augenscheinlich auch gar nicht mehr.
Das haben nun auch Kraftklub erkannt und lobenswerter Weise hier den Auftakt ihrer “Sterben in Schw … äh … Karl-Marx-Stadt!”-Tour.
Gewisse Umstände zur Klärung der Fotoberechtigung führten dazu, dass ich von Shelter Boy akustisch leider nicht viel mitbekommen und noch weniger gesehen habe. Nach einer gefühlt sehr kurzen Umbau-Pause ging es direkt los mit einer in schlichtem Rot gehaltenen Bühne und satten Konfetti-/Gebläse-Kombination begleitet vom dystopisch wirkenden Marlboro-Mann. Die Menschen auf und vor der Bühne glückselig stampfend/tanzend/schreiend. Mir lief ein Schauer über den Rücken … unendlich dankbar dafür das alles in der Form erleben zu dürfen, einigermaßen gesund und begleitet von tollen Menschen.
Eine Halle mit 7.000 Menschen mal eben aus dem Stand und ohne ewige Wartezeit direkt und ganz massiv in ein grinsendes, gut gelauntes, stimmgewaltiges Rudel zu verwandeln, das kann nicht jede Musikgruppe.
Verglichen mit anderen Acts dieser Größenordnung dominiert hier schlichte, gediegenen Lichttechnik rund um die allseits bekannte leuchtende Riesen-Wand mit dem Titel des aktuellen Albums. Viel, viel mehr Wert wurde offensichtlich darauf gelegt, nahe an den Menschen dran zu sein und zu bleiben! Immer wieder werden Songs inmitten der Crowd performt – mal von Felix allein, mal von der ganzen Band. Für mich etwas überraschend war der Fakt, dass die Band noch nie in ihrer Karriere in Schwerin gespielt hat. Auf Nachfrage ans Publikum wurde auch schnell klar, dass nur eine Bruchteil des Publikums aus Schwerin war. Aber auch das ist ja nicht negativ, wenn die Landeshauptstadt Meck-Pom’s ein bisschen von der Herzlichkeit und Offenheit der Kurzzeit-Gäste profitiert. Herzerwärmend, euphorisch, und irgendwie fast schon spektakulär unaufgeregt, solide und routiniert wurde einem ein Mix aus alten, neuen und nicht ganz so alten Songs um die Ohren geschallert.
Auf die Wiedergabe der Selist verzichte ich an dieser Stelle. Wer zu Kraftklub geht, bekommt Kraftklub – nicht mehr und nicht weniger. Die für andere Städte und Bands scheinbar obligatorischen bekannteren Bühne-Gäste von der Feature-Liste der letzten Alben blieben erfreulicherweise ebenfalls aus.
Am darauf folgenden Tag wieder zurück in den Alltag zu finden, fiel nicht leicht. Die Lust der Band hinterher zu fahren und die Hoffnung aufzusaugen, dass wir noch nicht verloren und die überwiegende Mehrheit der Menschen eben doch ganz okay sind … eine viel zu schöne Vorstellung. Danke Kraftklub!



































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